Hurra,
es gibt doch nichts schöneres als Abends in ein Bett zu steigen und genüßlich festzustellen, dass man frische Bettwäsche aufgezogen hat. Ähnlich geht es mir zur Zeit mit meinen Fenstern. Denn so froh ich über diese herrliche zweite Aprilhälfte bin, so gnadenlos wurde mir durch ununterbrochenen Sonnenschein bewußt, dass ich meine Fenster wohl etwas vernachlässigt hatte. Und ich musste eingestehen, das haben sie nun wirklich nicht verdient.
In einem Anflug von Hausmännlichkeit ging ich umgehend ans Werk und habe schon fast die Hälfte geschafft. Fantastisch! Ich will nicht übertreiben und gleich von gesteigertem Lebenswert sprechen, aber einen Hauch hat es davon. Insbesondere das Fenster, das sich im Moment hinter mir befindet, macht mir dabei gerade große Freude. Es strahlt in seinem neuen Glanze, als wolle es sich tatsächlich täglich bei mir bedanken. Ich bin bereits am überlegen, ob ich den Fenstern nicht Namen geben soll. Das könnte numerisch funktionieren: "Guten Morgen, liebes Fenster Nummer Eins. Na, Du strahlst aber heute!" könnte ich dann am Morgen sagen. Oder sie nach Himmelsrichtungen benennen: "Hallo, Du imposantes Nordfenster, lass mich mal einen Blick auf dich werfen. Mmmh, Du siehst aber gut aus heute...". Ganz uneigennützig sind diese Gedanken natürlich nicht. Ich verbinde damit die große Hoffnung, dass diese Säcke von Fenstern sich durch die persönliche Ansprache extrem geehrt fühlen und in Zukunft gefälligst mal ein bißchen darauf achten, sich nicht sofort wieder zu beschmutzen. Ich werde berichten, ob ich Erfolg habe!
Tja, ansonsten rast die Zeit. Da nimmt man sich vor, das Ganze jetzt mal ruhiger angehen zu lassen. Entspannter, nicht so hektisch und vor allen Dingen ganz, ganz piano. Dann schaut man in den Kalender und stellt fest: Wir haben schon wieder Ende April... Ist das nun kontraproduktiv, wo man es doch eigentlich ruhig angehen lassen will?
Draußen auf der großen Strasse vor meinen (ich muss es noch einmal erwähnen: FRISCH GEPUTZTEN!) Fenstern ist der Sommer ausgebrochen. Die T-Shirts werden wieder enger und die Menschen strömen. Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, bevor ich ins Büro fahre, einen Kaffee in einem Strassencafé zu trinken und erst einmal die Tageszeitung zu lesen. Es scheint zu funktionieren, dieses "ruhiger Angehen lassen". Und so manches enge T-Shirt trägt auch zu meinem Wohlbefinden bei, das sei mir erlaubt zu sagen.
Es könnte schön werden... Nix für ungut
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