11 September 2006

Ein Mann, ein Wort!

Also, das muss ich dem Papst jetzt mal zu Gute halten: Er ist zuverlässig. Wenn er sagt, er kommt, dann kommt er auch. Aber der Reihe nach...

Als meine innere Unruhe den Siedepunkt erreichte, ging ich kurzentschlossen auf die Strasse. Nicht, dass die Polizei noch aufmerksam auf mich wird. Man kann ja nie wissen... Es war genau 15.11 Uhr.
15.12 Uhr: Ich bin erst einmal am Zeitungskasten. Ich will ja vorbereitet sein, falls der Papst aus dem Protokoll ausbricht und spontan beschließt seine Kolonne zum Halten zu bringen. Wenn er dann mit dem Volk ins Gespräch kommen möchte, ich vor ihm stehe und er mich fragt: "Wie hat den Lazio gespielt?". Da will ich lieber vorbereitet sein...

15.14 Uhr: Ich beziehe Position im "Wirtshaus Zur Brez'n" (http://zurbrezn.de). Praktisch gelegen, an Tagen wie diesen. Mitten zwischen den angekündigten endlosen Menschenmassen, gelingt es mir letztendlich einen hübschen Tisch in der ersten Reihe zu okkupieren. Uihuihuih, bin ich aufgeregt!


15.21 Uhr: Mittlerweile hat mir die freundliche Kellnerin ein Weißbier gebracht. Ihr Dirnd'l hab ich nicht fotografiert, schade! Rund um mich herum, verfolgt die Stadt atemlos das einmalige Ereignis. Da ist ein Mann auf der Strasse, der mich beobachtet. Aber immer wenn ich hinschaue, schaut er weg...

15.36 Uhr: Es tut sich was. Eine Gruppe laut singender, klatschender, junger Menschen mit einer Deutschlandfahne laufen auf dem Gehsteig auf der anderen Seite der Strasse. "Fußballfans", möchte ich schreien, "doch nicht jetzt und hier, der Papst kommt gleich!". Aber nein, es sind brave Pilger, die den Papst suchen. Vielleicht sollte ich mich Ihnen anschließen???

15.48 Uhr: Die freundliche Kellnerin - die, mit dem Dirndl - bringt mir noch ein Weißbier und ein gemischtes Schinkenbrett'l. Der Mann am Nachbartisch bestellt eine Schweinshaxe. Der Mann, der mich beobachtet, ist auch da - schaut aber wieder weg...

15.58 Uhr: Eigentlich hat sich seit 15.12 Uhr nichts verändert. Außer meinen zwei Weißbier.

16.12 Uhr: Es wird laut. Ich zähle mindestens fünf Helikopter. Die Polizei wird ein wenig unruhig, dabei hatten sie doch gesagt... Egal! Erste Autos einer Kolonne fahren vorbei.

16.14 Uhr: Die Ahhs und Ohhs der Leute vor mir lassen mich ahnen, der Papst fährt soeben vorbei. Ich fotografiere gerade mein Weißbier, weil ich dachte, ich besitze nun ein zeitgeschichtliches Dokument. Meine Güte, der Papst ist aber auch schnell...

16.15 Uhr: Es ist vorbei! Ich finde meine innere Ruhe wieder. Jetzt kann ich kann wieder klar denken und beschließe, meine Rechnung bei ebay zu inserieren. Immerhin ist der Papst daran vorbei gefahren. Direct-sell ist auch unter meiner email-Adresse möglich!

16.24 Uhr: Und ganz am Ende - ich bin schon auf dem Weg nach Hause, um zu kontrollieren, wie sich der BvB in der ersten Pokalrunde schlägt - gelingt mir dann doch noch der One-Shot. Das Foto, das ich exklusiv habe und weltweit vertreiben kann. Denn ich habe das Papamobil, zwar ohne Papa und leider auch ohne rote Schuhe, aber...

Wie ich schon sagte, ich freu mich - der Papst war da

Nix für ungut

pictures: by myself

1 Kommentar:

David Schulte hat gesagt…

Na wunderbar, eine bessere Berichterstattung kann es doch gar nicht geben, genial - es lebe die Unruhe, äh .. ich meinte der Pabst. DS